Christian Linkenheld
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Mitte des 19. Jahrhunderts werden Mikroskopobjektive typischerweise durch die Kombination achromatischer Doppellinsen hergestellt. Die Anordnung dieser achromatischen Dubletts wird hierbei nicht berechnet, sondern "erpröbelt". Eine systematische Berechnung mikroskopischer Optik wird schlicht für nicht möglich gehalten. Man kann sich vorstellen, dass durch diese Vorgehensweise keine wirklich reproduzierbare Qualität der Optik möglich ist. Zudem ist die Fertigung - soll ein gewisses Qualitätsniveau gehalten werden - aufwändig und zeitintensiv. Insbesondere ist es natürlich nicht möglich die Objektive zielgerichtet zu optimieren und weiter zu entwickeln.

Carl Zeiß erkennt diese grundlegende Schwäche des Mikroskopbaues jener Zeit und verfolgt über Jahre hinweg mit großer Beharrlichkeit das Ziel die Konstruktion mikroskopischer Optik auf ein tragfähiges wissenschaftliches Fundament zu stellen.


Carl Zeiß um 1870

Carl Zeiß (1816-1888)
Carl Friedrich Zeiß wird 1816 als Sohn des Hofdrechslermeisters Johann Gottfried August Zeiß
in Weimar geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolviert er von 1834-1838 in Jena eine Lehre bei dem Hofmechanikus und Privatdozenten Dr. Friedrich Körner, der für die Qualität seiner wissenschaftlichen Instrumente - darunter seit 1843 auch Mikroskope - bekannt ist. Zusätzlich hört Zeiß noch Vorlesungen z.B. in Mathematik, Experimentalphysik, Mineralogie und Optik. An diese Lehre schließt sich eine 7-jährige Wanderschaft an, die ihn über Stuttgart, Darmstadt, Wien und Berlin schließlich wieder nach Jena führt, wo er 1846 mit der Unterstützung des Botanikers Matthias Schleiden eine eigene Werkstätte eröffnen kann.


Es ist wohl der bereits erwähnte Begründer der Zellbiologie, Matthias Schleiden, der Carl Zeiß zunehmend dazu bringt sich mit der Fertigung von Mikroskopen zu beschäftigen. Schleiden lehrt zu jener Zeit in Jena und tauscht sich wohl auch intensiv mit Zeiß über die zunehmende Bedeutung des Mikroskops aus. Die Mikroskope von Carl Zeiss erlangen rasch einen ausgezeichneten Ruf, was wohl auch an der geradezu legendären Qualitätskontrolle durch Carl Zeiß selbst liegt. Wenn übrigens abwechselnd die Schreibweise "Zeiß" und "Zeiss" verwendet wird, dann liegt dies daran, dass das "ß" aus dem ursprünglichen Familiennamen in der Firmenbezeichnung rasch durch die Schreibweise "Zeiss" ersetzt wird. Dies läßt sich wohl damit begründen, dass die Mikroskope von Carl Zeiss teilweise natürlich exportiert werden und das "ß" ein Sonderzeichen aus dem deutschsprachigen Raum darstellt.


erstes "Einfaches Mikroskop" von Carl ZeissStativ I - das erste Zusammengesetzte Mikroskop von Carl Zeiss

Die ersten Mikroskope von Carl Zeiss

links: Das erste Mikroskop von Carl Zeiss ist ein einfaches Mikroskop für Präparationszwecke (1847).
rechts: erstes Zusammengesetztes Mikroskop von Carl Zeiss ("Stativ I") aus dem Jahr 1857.


1866 gewinnt Carl Zeiß den gerade 26jährigen Physiker Ernst Abbe als freien wissenschaftlichen Mitarbeiter für sein Unternehmen. Abbe, der zu jener Zeit Privatdozent an der Universität Jena ist, soll die Konstruktion der mikroskopischen Optik vom "Pröbeln" befreien und endlich auf eine fundierte Basis stellen. Diese Zusammenarbeit zwischen Zeiß und Abbe wird innerhalb weniger Jahre eine ganze Kaskade an entscheidenden Fortschritten und Neuentwicklungen im Mikroskopbau auslösen.


Ernst Abbe um 1875

Ernst Abbe (1840-1905)
Ernst Carl Abbe stammt aus einfachen Verhältnissen und wird 1840 als Sohn des Fabrikaufsehers Adam Abbe in Eisenach geboren. Im Anschluss an den Besuch des Realgymnasiums studiert er 1857-1861 Mathematik und Physik in Jena und Göttingen. Nach einer Zwischenstation als Dozent beim Physikalischen Verein in Frankfurt siedelt er 1863 wieder nach Jena über, habilitiert sich und tritt eine Stelle als Privatdozent an der Universität Jena an.


 

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06/03/2016